
Die Modebranche hat gelernt, grün zu sprechen. Auf Etiketten, in Kampagnen, auf Webseiten — überall finden sich Worte wie bewusst, nachhaltig, verantwortungsvoll. Doch zwischen einem Versprechen und seiner Einlösung liegt oft eine ganze Lieferkette im Dunkeln.
Wir können nicht für andere sprechen. Aber wir können zeigen, was wir meinen, wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen — und wo wir selbst noch Fragen offen haben.
Wenn Worte mehr versprechen als Hände leisten
Sprache verändert keine Lieferkette. Und doch hat sich die Sprache der Mode in den letzten Jahren stärker gewandelt als viele ihrer Praktiken. Eine Untersuchung der Changing Markets Foundation ergab, dass rund 60 Prozent der Nachhaltigkeitsaussagen großer europäischer Modemarken irreführend oder nicht belegbar sind. Der Fashion Transparency Index, der jährlich 250 der weltweit größten Modemarken bewertet, kam auf einen Branchendurchschnitt von 26 Prozent — und 88 Prozent dieser Marken legen nicht einmal offen, wie viele Kleidungsstücke sie pro Jahr produzieren.
Es sind Zahlen, die nachdenklich machen. Nicht weil jedes Unternehmen mit Absicht täuscht — sondern weil die Lücke zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was nachprüfbar ist, so groß geworden ist.
Wir kennen diese Spannung auch aus eigener Erfahrung. Als wir anfingen, über unsere Materialien zu sprechen, haben wir selbst nach den richtigen Worten gesucht — Worten, die nicht mehr versprechen, als unsere Realität hergibt. Es ist eine fortlaufende Übung in Ehrlichkeit.
Unsere Lieferkette — offen gelegt
Ein Chirimoya-Stück reist weit, bevor es in unserer Boutique am Wiener Kohlmarkt ankommt. Der Weg ist lang, aber an jeder Station steht ein Name.
Unsere Pima-Baumwolle wächst in den Küstentälern Perus. Die Region bietet die klimatischen Bedingungen, unter denen die Faser ihre außergewöhnliche Länge von bis zu 43 Millimetern entwickelt — eine Eigenschaft, die man beim ersten Berühren des Stoffs sofort spürt: seidig, glatt, mit einer Weichheit, die mit der Zeit zunimmt statt nachzulassen.
Von Peru führt der Weg nach Ibagué in Tolima, Kolumbien. Dort, auf einem Hochplateau der Anden, hat unser kleines Designteam sein Studio. Hier entstehen Schnitte, Proportionen, Details — jenes stille Handwerk, das man sieht, wenn man ein Stück auf links dreht und die Nähte betrachtet.
Unsere Natural-Dye-Linie geht noch einen Schritt weiter. Die Farben dieser Stücke werden von Kunsthandwerkern im Amazonasgebiet per Hand aufgetragen, mit Pigmenten, die aus der Natur gewonnen werden. Jedes Stück trägt die Handschrift derer, die es gefärbt haben.
Drei Länder, eine überschaubare Zahl an Partnern, keine anonymen Fabriken. Wir kennen die Menschen, die unsere Kleidung herstellen. Das klingt nach einem Mindeststandard — und doch ist es in der Modebranche alles andere als selbstverständlich.
Langlebigkeit ist die ehrlichste Form von Nachhaltigkeit
Das nachhaltigste Kleidungsstück ist das, das nicht ersetzt werden muss.
Es ist ein einfacher Gedanke, aber er verändert die Perspektive. Recycling, Rücknahmeprogramme, kompostierbare Verpackungen — all das hat seine Berechtigung. Doch nichts davon wiegt so schwer wie ein Stück, das nach fünf Jahren noch genauso gerne getragen wird wie am ersten Tag.
Pima-Baumwolle ist dafür wie geschaffen. Ihre langen Fasern — deutlich länger als bei konventioneller Baumwolle — machen den Stoff widerstandsfähig gegen Pilling, jenes Phänomen kleiner Knötchen, das gewöhnliche T-Shirts nach wenigen Wäschen alt aussehen lässt. Stattdessen wird Pima mit jedem Waschgang etwas weicher.
Unsere Alpakawolle aus den Hochlagen der Anden bringt ähnliche Qualitäten mit: von Natur aus temperaturregulierend, leicht, und so robust, dass ein gut gepflegtes Stück Saison für Saison seinen Charakter bewahrt — ohne an Geschmeidigkeit zu verlieren.
Drei Fragen, die mehr verraten als jedes Siegel
Es gibt heute über 450 verschiedene Nachhaltigkeitssiegel in der Modeindustrie. Manche davon sind streng geprüft, viele sind selbst vergeben. Für Kundinnen und Kunden ist diese Landschaft kaum zu überblicken.
Statt weiterer Siegel möchten wir Ihnen drei Perspektivwechsel anbieten, die wir selbst anwenden — nicht als Checkliste, sondern als Denkanstoß.
Was wir versprechen — und was nicht
Wir versprechen, dass wir wissen, woher unsere Materialien kommen. Dass unsere Pima-Baumwolle in den Küstentälern Perus wächst, dass unser Designstudio in Ibagué sitzt, dass unsere Natural-Dye-Stücke von Hand gefärbt werden. Das sind keine Marketingaussagen — es sind Tatsachen, die sich überprüfen lassen.
Wir versprechen, dass wir Kleidung machen, die bleiben soll. Nicht für eine Saison, sondern für Jahre. Jedes Stück ist so gestaltet, dass es mit der Zeit schöner wird, nicht schlechter.
Was wir nicht versprechen: Perfektion. Unsere Stücke reisen weit — von Peru über Kolumbien nach Wien. Jede Reise hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Wir arbeiten daran, diesen zu verkleinern, aber wir sind noch nicht dort, wo wir sein möchten.
Und vielleicht ist genau das der Unterschied, den Transparenz ausmacht. Nicht die Abwesenheit von Schwächen, sondern die Bereitschaft, sie zu benennen.
Häufig gestellte Fragen
Greenwashing beschreibt den Einsatz von Nachhaltigkeitsversprechen, die nicht durch nachprüfbare Fakten belegt sind. In der Mode zeigt sich das häufig durch vage Begriffe wie „bewusst" oder „eco-friendly" ohne konkrete Angaben zu Materialherkunft, Produktionsbedingungen oder Lieferkette. Ein verlässliches Erkennungszeichen: Wenn eine Marke nicht sagen kann, wo genau ihr Stoff herkommt, fehlt es an Transparenz.
Die Pima-Baumwolle von Chirimoya wächst in den Küstentälern Perus und zeichnet sich durch besonders lange Fasern von bis zu 43 Millimetern aus. Die Alpakawolle stammt aus den Hochlagen der Anden. Das Designstudio befindet sich in Ibagué, Kolumbien, und die Stücke der Natural-Dye-Linie werden von Kunsthandwerkern im Amazonasgebiet per Hand gefärbt.
Recycling verbraucht Energie und Ressourcen und kann die ursprüngliche Materialqualität nicht immer bewahren. Ein Kleidungsstück, das dank hochwertiger Materialien und sorgfältiger Verarbeitung jahrelang getragen wird, vermeidet die Umweltbelastung von Produktion, Transport und Entsorgung mehrerer Ersatzstücke. Langlebigkeit reduziert den Ressourcenverbrauch an der Quelle.
Ab September 2026 gelten in der EU verschärfte Regeln gegen irreführende Umweltaussagen. Die Empowering Consumers for the Green Transition Directive verbietet vage Behauptungen wie „umweltfreundlich" ohne Beleg. Frankreich ahndet irreführende Umweltkommunikation bereits mit Bußgeldern von bis zu 300.000 Euro. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Marken müssen ihre Aussagen künftig mit Daten belegen können.
Chirimoya arbeitet mit einer überschaubaren Zahl an Partnern in drei Ländern: Peru, Kolumbien und Österreich. Die Materialherkunft — Küstentäler Perus für Pima-Baumwolle, Hochlagen der Anden für Alpakawolle — ist auf der Website dokumentiert. Das Unternehmen benennt offen seine Stärken in Materialqualität und Handwerk und kommuniziert zugleich, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt, etwa bei Transportwegen.
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